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EBM-Änderung zum 01.07.2018 – Strategie gegen Antibiotikaresistenz, neue Ausnahmekennziffer 32004

Vor dem Hintergrund der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen wurden zum 01. Juli 2018 mehrere labordiagnostische Untersuchungen zur schnellen und qualitätsgesicherten Antibiotikatherapie in den EBM aufgenommen*. Die ebenfalls neue Ausnahmekennziffer 32004 befreit dann die Kosten für die mikrobiologische Diagnostik vom arztpraxisspezifischen Fallwert und wirkt sich damit nicht auf Ihren Wirtschaftlichkeitsbonus aus.

*Bis diese Änderung im EBM abgebildet ist, finden Sie die entsprechenden Beschlüsse bei der KBV unter folgendem Link: http://www.kbv.de/media/sp/EBM_2018_07_01_EBA_54_BeeG_DFE_Teil_A_B_DART.pdf

Ziele der EBM-Änderung

Eine zielgerichtete Antibiotikatherapie basiert auf der Kenntnis der vorliegenden Krankheitserreger. Deshalb ist es indiziert, vor Beginn einer eventuellen Antibiotikatherapie bzw. einer erneuten Verordnung die entsprechende Labordiagnostik zu veranlassen. Durch die Aufnahme von mehreren, an aktuelle Leitlinien sowie den Stand von Wissenschaft und Technik angepasste labordiagnostische Untersuchungen, wird einer schnellen und qualitätsgesicherten Antibiotikatherapie entsprochen.

Neue Laborleistungen

Wie bisher werden kulturelle bakteriologische und mykologische Untersuchungen aus den verschiedensten Materialien durchgeführt. Klinisch relevante Bakterien und Pilze werden differenziert (nun alternativ zur biochemischen Differenzierung auch mittels MALDI-ToF-Massenspektrometrie möglich) und auf ihre Empfindlichkeit bzw. Resistenz gegen Antibiotika geprüft. Vergütet werden nun auch Bestätigungsteste bei Multiresistenz. Das Procalcitonin erhält nun eine eigene Abrechnungsziffer.

Die Zuordnung der einzelnen Laborleistungen zur neuen Ausnahmeindikation haben wir in unserer bisherigen Ausnahmekennziffern-Liste ergänzt:
EBM-Ausnahmekennziffern (Stand: 07/2018)

Bitte beachten Sie, dass neben der neuen Kennnummer 32004 auch weitere Kennnummern möglich sind (z.B. 32006 bei Infektionskrankheiten mit gesetzlicher Meldepflicht, 32024 bei prä- bzw. perinatalen Infektionen, etc.), die mit Ihrer Quartalsabrechnung an die KV zu übermitteln sind.

FAQs

Nein, es entsteht dadurch keine Pflicht. Die Strategie gegen Antibiotikaresistenz verfolgt jedoch das Ziel eines zielgerichteten Einsatzes von Antibiotika, um Resistenzen zu vermeiden. Dafür ist unter Umständen eine vorherige mikrobiologische Diagnostik angezeigt. Wir empfehlen daher, sich an den entsprechenden Leitlinien zu orientieren. Zum Beispiel empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie zur Therapie von unkomplizierten Harnwegsinfektion bei der Frau eine empirische Antibiotikatherapie ohne vorherige mikrobiologische Diagnostik. Bei komplizierten Harnwegsinfekten hingegen sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen.

Nein, es entsteht auch hierdurch keine Pflicht. Zudem bleibt die Veranlassung einer mikrobiologischen Untersuchung bei V.a. eine bakterielle respiratorische Infektion beim arztpraxisspezifischen Fallwert unberücksichtigt – unabhängig von der Anforderung von Procalcitonin (PCT) im Vorfeld. PCT kann zur Differenzierung zwischen bakteriellen und viralen Atemwegsinfektionen helfen.

In der S3-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie wird trotz mehrerer Studien zugunsten des PCT in der Indikationsstellung keine so starke Empfehlung zur Bestimmung dieses Biomarkers vor Verschreibung von Antibiotika abgegeben, dass sich daraus eine Pflicht ergeben könnte. Hier wird unter anderem auf die Einschränkungen im Studiendesign verwiesen. Dies unterstreicht eine aktuelle Publikation zum Stellenwert von PCT bei der Indikation zur Antibiotikatherapie bei ambulant erworbener Pneumonie (Huang et al., N Engl J Med. 2018 May 20. doi: 10.1056/NEJMoa1802670) – bei sonst striktem leitliniengerechten Vorgehen trug PCT nicht signifikant zur Senkung der Verordnungswahrscheinlichkeit bei.

Enthalten sind alle üblichen klinischen Untersuchungsmaterialien, die auf pathogene Bakterien untersucht werden sollen. Ob nach Abschluss der Diagnostik beispielsweise bei einem Abstrich die GOP 32726 (Untersuchung eines Abstrichs, Exsudats, Sekrets I) oder die GOP 32727 (Untersuchung eines Abstrichs, Exsudats, Sekrets II) abgerechnet wird, entscheidet sich am Umfang der erforderlichen Analyseschritte. Für Sie bedeutet das aber: beide GOPen sind vom arztpraxisspezifischen Fallwert befreit und belasten nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus. Gleiches gilt für die Stuhluntersuchungen I (GOP 32722) und II (GOP 32723). Schicken Sie für die mikrobiologische Diagnostik Nativurin in Ihr Labor ein, so kommt die GOP 32720 zur Abrechnung und Ihr Fallwert wird ebenfalls nicht belastet.

Bei der Anforderung gibt es keine Änderung zur bisherigen Vorgehensweise. Für Sie ist es bei der Beauftragung unerheblich, ob die Bakterien-Differenzierung mittels dem Verfahren MALDI-ToF oder den herkömmlichen biochemischen Verfahren durchgeführt wird. Maßgeblich sind die im jeweiligen Labor etablierten Methoden. Gleiches gilt für die neuen Empfindlichkeitsprüfungen getrennt nach grampositiv und gramnegativ, die sich erst im Untersuchungsverlauf ergeben können.

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