Vitamin D

Die Unterlage Vitamin D befasst sich mit der Diagnostik, Bewertung und Therapie von Vitamin D-Mangel. Vitamin D wird vor allem unter Einwirkung von Sonnenlicht UV-B in der Haut gebildet und ist die Vorstufe eines Steroidhormons, wodurch sich seine pathophysiologische Bedeutung erklärt.

Wissenschaftlich gesichert ist der positive Effekt von Vitamin D bei Rachitis, Osteomalazie, Knochenbrüchen und Stürzen, der Reduktion der Gesamtsterblichkeit und Infekten und der Verminderung der Häufigkeit von Frühgeburten. Diskutiert werden günstige Auswirkungen von Vitamin D auf Herzgesundheit, Krebs und Autoimmunerkrankungen.

Diagnostik

Ein Vitamin D-Mangel wird über die Bestimmung des 25-Hydroxyvitamin D (25-OH Vitamin D) abgeklärt. Zur Diagnose sollten gleichzeitig auch die Konzentrationen von Kalzium, Phosphat, alkalischer Phosphatase und Parathormon bestimmt werden. Bei genetisch bedingten Formen der Rachitis und bei der Hyperkalzämieabklärung ist die Bestimmung des 1,25-Dihydroxyvitamin D (Calcitriol) von klinischer Relevanz.
Eine Indikation für die Bestimmung von 25-OH Vitamin D besteht nach der Endocine Society Guideline bei:

  • Osteoporose, Rachitis, Osteomalazie
  • Chronische Niereninsuffizienz
  • Leberinsuffizienz/Leberzirrhose
  • Malabsorptionssyndrome
  • Hyperparathyreoidismus
  • Medikamente mit Einfluss auf den Vitamin D-Stoffwechsel
  • Dunkelhäutige Menschen
  • Schwangere und stillende Frauen
  • Ältere Menschen mit nicht-traumatischen Frakturen oder Stürzen
  • Übergewichtige Menschen mit einem BMI über 30 kg/m²
  • Granulomatöse Erkrankungen

Bewertung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bezeichnet 25-OH-Vitamin D Werte von 50 nmol/L (20 ng/ml) oder höher als optimale Werte und empfiehlt bei niedrigeren Werten eine Vitamin D-Therapie durch Vitamin D-reiche Ernährung, vermehrte Sonnenlichtexposition oder Vitamin D-Supplemente. Die Endocrine Society empfiehlt als Zielwert für einen optimalen Vitamin D-Status bei Patienten (zumindest) 75 nmol/L (30 ng/ml). Werte von > 150 bis 375 nmol/L (60 – 150 ng/ml) können möglicherweise schädlich sein, Werte > 375 nmol/L (> 150 ng/ml) führen möglicherweise zur Vitamin D-Intoxikation.

Therapie

Die Dosierungsempfehlungen für eine Vitamin D-Supplementierung sind uneinheitlich, bewegen sich jedoch meistens im Rahmen von 800 bis 2000 Internationalen Einheiten (IE) (= 20 bis 50 mg). In der Schwangerschaft gelten die gleichen Empfehlungen wie für nicht Schwangere, eine Vitamin D-Supplementierung gilt als sicher. Bei chronischer Niereninsuffizienz mit erhöhtem Parathormon wird eine Bestimmung des 25-OH-Vitamin D empfohlen, da bei erniedrigtem 25-OH-Vitamin D eine Vitamin D-Supplementierung indiziert ist.

Praktische Hinweise

  • Nach Beginn einer Vitamin D-Supplementierung sollte man 2–3 Monate bis zur steady state warten bis eine erneute 25-OH-Vitamin D-Testung durchgeführt wird
  • Der Anstieg des 25-OH-Vitamin D ist individuell sehr variabel
  • Grobe Faustregel: 1000 IE Vitamin D täglich erhöhen den 25-OH-Vitamin D-Wert um ca. 25 nmol/L (19 ng/ml)
  • Eine Vitamin D-Supplementierung wird als tägliche Dosierung empfohlen und kann in täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Intervallen erfolgen
  • Gemäß der European Food Safety Authority (EFSA) sind Vitamin D-Dosierungen bis 4000 IE täglich als sicher zu betrachten
  • Häufig praktizierte Vorgehensweise: Beginn einer Vitamin D-Supplementierung bei Werten 25-OH-Vitamin D < 59 nmol/L (20 ng/ml) meist mit einer Dosis von 800 bis 1000 IE (bei sehr niedrigen 25-OH-Vitamin D-Ausgansspiegeln kann eine Dosis von 2000 IE erforderlich sein)
  • Ist eine Austestung nicht möglich aber ein Vitamin D-Mangel sehr wahrscheinlich, kann auch ausnahmsweise ohne Testung eine Therapie mit 800 IE täglich eingeleitet werden
  • Nicht verschreibungspflichtige Vitamin D-Präparate bis zu einer Tagesdosis von 1000 IE Vitamin D3 können nach den Bestimmungen der Arzneimittel-Richtlinie auf einem Kassenrezept verordnet werden für:
    • Patienten mit manifester Osteoporose
    • Patienten, die über ein halbes Jahr 7,5 mg Prednisolonäquivalent einnehmen
    • Patienten, die eine Bisphosphonattherapie erhalten

Kosten

Die Bestimmung von 250-OH-Vitamin D zur Diagnose und Kontrolle eines Behandlungserfolgs ist Kassenleistung, wenn sie medizinisch notwendig ist.

Ihr Ansprechpartner

Univ. Prof. Dr. med. Winfried März
Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik an der Medizinischen Universität Graz, Österreich
assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health
Direktor der SYNLAB Akademie für Ärztliche Fortbildung mit Sitz in Mannheim der SYNLAB Services GmbH, Augsburg

 

Kontakt

SYNLAB Holding Deutschland GmbH
Univ. Prof. Dr. med. Winfried März
P5, 7
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Telefon +49 621 43179432