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Gentest zur Therapieoptimierung

Statin-Select-Test

Der Statin Select-Test

Bei der Abschätzung des Risikos für SAMS kann ein einfacher Gentest hilfreich sein. Die Plasmakonzentration der Statine ist für das Auftreten von SAMS von kritischer Bedeutung.

Statin-assoziierte Muskelbeschwerden

Statine senken wirksam Cholesterin und LDL-Cholesterin. Sie vermindern die Inzidenzrate kardiovaskulärer Ereignisse bei:

  • Patienten mit manifesten kardiovaskulären Erkrankungen und
  • bei noch asymptomatischen Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Indikation für eine lipidsenkende Behandlung mit Statinen orientiert sich am LDL-Cholesterin und am Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. (Zielwerte für LDL-C nach den Europäischen Leitlinien zur Prävention Kardiovaskulärer Erkrankungen und zur Behandlung von Dyslipidämien) 

Statin-assoziierte Muskelsymptome

Die klinisch bedeutsamsten Nebenwirkungen der Statine sind Muskelsymptome.
Sie können die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen und führen oft dazu, dass die Statindosis vermindert oder die Behandlung ganz abgesetzt wird. Dadurch wird der Zielwert für LDL-Cholesterin verfehlt und das Potenzial der Behandlung nicht ausgeschöpft.

In sehr seltenen Fällen können sich aus Muskelbeschwerden lebensbedrohliche Rhabdomyolysen entwickeln.

Die Häufigkeit von Statin-assoziierten Muskelsymptomen (SAMS) ist schwer zu ermitteln. Aus der ärztlichen Praxis werden Inzidenzraten zwischen 10 bis 30 Prozent der Behandelten berichtet. 

Indikationen für den Statin Select-Test

Ein generelles Screening auf die SLCO1B1 Genvariante wird nicht empfohlen. Nützlich ist der Test aber in folgenden Situationen:

  • Klinisch erhöhtes Risiko für SAMS
  • Statintherapie bei gleichzeitiger dauerhafter Behandlung mit Medikamenten, die das Myopathierisiko erhöhen
  • Dokumentation einer Statin-Unverträglichkeit vor Beginn einer Behandlung mit Antikörpern gegen PCSK9 (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin-9) oder einer LDL-Apherese

Genetische Untersuchungen belasten nicht Ihr Budget. Der Statin Select-Test ist bei entsprechender Indikation eine Kassenleistung.

Faktoren, die SAMS (Statin-assoziierte Muskelsymptome) begünstigen

Anthropometrisch

  • Alter > 80 Jahre (Vorsicht, wenn Alter > 75 Jahre)
  • Frauen
  • niedriger Body-Mass-Index (BMI), Gebrechlichkeit, Kachexie
  • Asiaten

Begleiterkrankungen

  • akute Infektionen
  • Schilddrüsenunterfunktion (behandelt oder unbehandelt)
  • eingeschränkte Nierenfunktion (CKD Stadien 3, 4 und 5)
  • Leberfunktionsstörung, Cholestase
  • Empfänger von Spenderorganen
  • schweres Trauma
  • HIV-Infektion
  • Diabetes mellitus
  • Vitamin D - Mangel

Chirurgie

  • schwere Operationen

Vorbestehende Erkrankungen

  • vorbestehende Erhöhung der CK-Aktivität
  • Muskel-, Gelenk- oder Sehnenschmerzen in der Vorgeschichte
  • entzündliche oder erbliche Stoffwechsel-, neuromuskuläre oder Muskelerkrankungen
  • Muskelbeschwerden unter früheren, anderen lipidsenkenden Therapien
  • positive Familienanamnese für Myopathie

Medikamente

  • Antimykotika (Itraconazol, Posaconazol, Miconazol)
  • Makrolide (Erythromycin, Telithromycin, Clarithromycin)
  • Proteaseinhibitoren (Amprenavir, Atazanavir, Fosamprenavir, Indinavir, Lopinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Tipranavir)
  • Gemfibrozil
  • Verapamil, Diltiazem
  • Warfarin
  • Amiodaron
  • Cyclosporin

Andere Faktoren

  • hohe körperliche Aktivität
  • Alkoholmissbrauch
  • Ernährung (große Mengen Grapefruitsaft oder Preiselbeeren)
  • Drogen (Kokain, Amphetamine, Heroin)

Therapeutische Empfehlung

Liegt der SLCO1B1-Gendefekt in mischerbiger (TC) oder reinerbiger Form (CC) vor, sollte Simvastatin (speziell in Dosierungen > 20 mg) vermieden und ein anderes Statin gewählt werden.

Weitere Dosisanpassungen sind vorgeschlagen worden. Eine Kombinationstherapie, zum Beispiel mit Ezetimibe, sollte frühzeitig erwogen werden.

Ihre Ansprechpartner

Universitätsprofessor Dr. med. Winfried März
Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik an der Medizinischen Universität Graz, Österreich
Medizinische Klinik V, Medizinische Falkultät Mannheim, Universität Heidelberg
Direktor der SYNLAB Akademie mit Sitz in Mannheim der SYNLAB Holding Deutschland GmbH, Augsburg

Dr. med. Martin Roskos
Facharzt für Laboratoriumsmedizin in Jena

 

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Univ. Prof. Dr. med. Winfried März
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