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Winterruhe bei europäischen Landschildkröten

Die Gesunderhaltung von Schildkröten ist nur bei möglichst konsequenter Nachahmung der natürlichen Lebensbedingungen möglich. Hierzu gehört auch eine drei- bis viermonatige Winterruhe. Aber, was ist das? Wie führt man sie durch? Was muss man beachten?

Was ist die Winterruhe?

Die Winterruhe ist eine Anpassung wechselwarmer Tiere an ungünstige klimatische Bedingungen im Winter. Wechselwarm bedeutet, dass ihre Körpertemperatur und somit auch ihre Stoffwechselleistung nicht konstant sind, sondern von der Umgebungstemperatur abhängen. Die Temperaturregulation findet durch Aufsuchen von Sonnen- und Schattenplätzen statt.
Im Herbst signalisieren fallende Temperaturen und abnehmende Tageslichtlänge den nahen Winter. Da Schildkröten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nur bedingt tolerieren, graben sie sich im Herbst in frostfreie Schichten des Erdbodens ein. Bei steigenden Temperaturen im Frühjahr verlassen sie ihre Ruheplätz wieder, wärmen sich in der Sonne auf und beginnen mit der Nahrungsaufnahme.

Die Winterruhe gehört also zum festen Bestandteil des natürlichen Jahreszyklus und ist wichtig für die Gesunderhaltung. Sie muss dementsprechend auch in menschlicher Obhut ermöglicht werden.

Welche Schildkröten dürfen in die Winterruhe?

Nur gesunde Tiere sollten eingewintert werden. Tiere, die im vorangegangenen Sommer krank waren (Infektionen, Legenot, Operationen), werden nur eingewintert, wenn keine tierärztlichen Bedenken bestehen. Kranke Tiere müssen behandelt und im Terrarium gehalten werden. Jungtiere im ersten Lebensjahr können eingewintert werden (ab Ende Oktober), wenn sie selbständig fressen und der Nabel geschlossen ist.

Wie wird die Winterruhe vorbereitet?

Ende August
• Eine Kotprobe wird auf Darmparasiten untersucht.   Wenn nötig werden die Tiere dann behandelt und anschließend kontrolliert.

Ende Oktober
• Terrarienhaltung: Tageslichtlänge und   Temperatur werden über 3 bis 4 Wochen reduziert (Endtemperatur 8 bis 10 °C). Mittags wird die Temperatur vorübergehend auf 25 °C erhöht, damit Futterreste im Darm noch verdaut werden können.

• Freilandhaltung: Mit abnehmender Aktivität reduzieren die Tiere ihre Nahrungsaufnahme und entleeren ihren Darm weitgehend.

• Die Tiere aus dem Freigehege nehmen, bevor sie sich eingraben (bei Nachttemperaturen von ca. 6 bis 8 °C), und in einen frostsicheren Raum bringen.

• Nicht baden – der Darm darf nicht komplett   leer sein! Ansonsten stirbt die Darmflora ab, und die Schildkröte verweigert im Frühjahr die Nahrungsaufnahme

• Das Körpergewicht vor der Winterruhe protokollieren! 

Wo wird überwintert?

• im separaten Kühlschrank (optimal)

• im Keller (Gefahr: meist zu warm) 

Wie wird die Winterruhe durchgeführt?

Behältnis

• Eine ausreichend große Kunststoffbox (mind. doppelte Tiergröße) mit Luftlöchern für die Zirkulation mit einer 5 bis10 cm hohen Schicht lockerer, mäßig feuchter Erde füllen.

• Die Schildkröte hineinsetzen und mit trockenem Laub bedecken.

• Für die Regulierung der Luftfeuchtigkeit einen feuchten Schwamm in einer Ecke der Box, ohne Kontakt zum Bodensubstrat, befestigen und bei Bedarf nachbefeuchten.

Klima und Gewicht

• Temperatur: konstant 4 bis 6 °C (Kontrolle!)

• Luftfeuchte: 70 bis 80 %

• Luftaustausch durch kurzes Öffnen der Kühlschranktür 1 bis 2 x pro Woche

• Körpergewicht 1 x pro Woche kontrollieren und protokollieren

• maximal erlaubter Gewichtsverlust in der Winterruhe: 10 % des Körpergewichtes